Vorschlag 8

3.3.1. Integrierte Unterrichtssequenzen in der Partnersprache 

Ohne das Prinzip des Unterrichts der Lokalsprache (Art. 7 SchG) zu verletzen, kann das Sprachenlernen, vor allem das Erlernen der Partnersprache, in die schulischen Aktivitäten einbezogen werde. In den ersten Schuljahren geht es zunächst um Aktivitäten, die in der Partnersprache angeleitet werden, ab der 3. Primarklasse bis zum Abschluss in der OS werden ganze oder partielle Sequenzen in der L2 unterrichtet (Deutsch im französischsprachigen, Französisch im deutschsprachigen Kantonsteil).

Das Ziel ist, die Lehrpersonen zu ermutigen, Möglichkeiten zu ergreifen die Partnersprache in anderen Fächern und nicht nur im spezifischen Fremdsprachenunterricht einzusetzen. Diese Öffnung steht einerseits im Zusammenhang mit den Sprachkompetenzen der Lehrpersonen, mit den Austauschmöglichkeiten unter den Lehrpersonen in den verschiedenen Schulinstitutionen und letztendlich geht es auch um die verfügbaren pädagogischen Ressourcen. Es ist nicht sinnvoll den Unterricht in der Partnersprache zu quantifizieren oder zu systematisieren; es geht hier vor allem um die Begegnung mit der Partnersprache, um den Schülerinnen und Schülern den Sprachenerwerb, das mündliche und schriftliche Sprachverständnis bzw. die Anwendung der Sprache, zu vereinfachen.

3.3.1.1. Früheinstieg in L2

Im Kindergarten, in der 1. Kl. und in der 2. Kl. ergeben sich im Alltag mannigfaltige Gelegenheiten, Unterrichtsphasen in L2 in Form von kleinen Gedichten, Liedern, Erzählungen, Spielen, ja sogar als täglich wiederkehrende Rituale einzubauen. In diesem Alter interessieren sich Kinder ganz spontan für solche Momente, wo in spielerischer Form eigentlich Sprachbetrachtung betrieben wird, wie sie im Abschnitt 3.2.1. beschrieben sind. In solchen Sequenzen kommt die Zielsprache kommunikativ und implizit zum Zug, d.h. es geht um Formen, Wörter und ihre Bedeutung, aber in anderer Präsentation: Sie werden nicht explizit erklärt; so wird die Aufmerksamkeit nicht durch das Einprägen von Sprachelementen wie Wortschatz und Sprachstrukturen in Anspruch genommen.

Wichtig ist hier, ein Gleichgewicht zwischen Sequenzen intuitiven Verstehens und solchen expliziter Sprachbetrachtung zu finden, wo dann die Beobachtung von Sprachelementen wichtiger wird: Wörter erklären und einüben, Strukturen trainieren, sprachliche Ausdrucksmittel lernen (z.B. die Farben, Adjektive) oder das Hinhören, die Aussprache oder das Lesen üben, etc.

3.3.1.2. Integrierte Unterrichtssequenzen in L2 für die 3. - 9. Klasse

Parallel zu dem im Fremdsprachenunterricht Gelerntem (Deutsch / Französisch dann Englisch), so wie sie in der Stundentafel vorgesehen ist, können andere Lernformen; integrierte Sequenzen in L2 initiiert und praktiziert werden. Sie haben einen innovativen Charakter und werden an den Schulen in Projekten sowohl in der Primarschule, ab 3. Klasse bis zur OS in der 7. bis 9. Klasse durchgeführt.

Wie in der Grundstufe (siehe oben) bleibt auch hier der Erwerb von Sprachkompetenzen in L2 das Ziel und zwar in der gleichzeitigen Anwendung zweier Sprachen die Unterrichtssprache (Französisch oder Deutsch in L1) und einer zusätzlichen Sprache, d.h die Partnersprache. Eine integrierte Unterrichtssequenz setzt sich zusammen aus Sequenzen oder Lektionen in L1 und in L2 (z.B. bei der Einführung in die Materie, wo es um die Gewährleistung des Zusammenhangs im Fachgebiet geht L1, bei der Vertiefungsphase, die über Beispiele, Aktivitäten geht sowohl L1 als auch L2).

Bei diesem Vorgehen behält die Muttersprache einen hohen Stellenwert und wird gezielt als Verständnisstütze verwendet. Die Phasen in der Zielsprache und die Dauer ihrer Verwendung hängen vom Lerninhalt, vom vorhandenen Unterrichtsmaterial, von den Lernzielen und vom Kompetenzgrad der Klasse ab. Ausschlaggebend für die Planung der Inhalte sind die Lernziele der nicht sprachlichen Fächer, nicht jene der Fremdsprache. Im integrierten Unterricht sind beide Sprachen (L1 und L2) präsent, aber in variabler Intensität, je nach den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in L2 und der Komplexität der Lernstoffe. Die Bewertung der Kenntnisse und Kompetenzen der Lernenden erfolgt jedoch nur in der Unterrichtssprache (L1).

Solche Unterrichtssequenzen unterstützen das Prinzip der koordinierten bzw. simultanen Begegnung mit denjenigen Sprachen, die an einer Schule präsent sind. Eine andere Form, welche zurzeit erforscht wird, bietet das Konzept der integrierten Didaktik. Der Europarat (2003) empfiehlt Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Sprachunterrichtskonzepten aufzuzeigen. Diese These wurde von der EDK sowie auch von den verschiedenen Regionen, wie die CIIP (Conférence Intercantonal de l’Instruction Publique de la Suisse romande et du Tessin) und der NW EDK im Projekt „Passepartout an der Volkshochschule“ übernommen.

 

  • Förderung von Unterrichtssequenzen im Rahmen von Projekten, welche die Integration zweier Sprachen, Muttersprache (L1) und Partnersprache (L2), ermöglichen.
  • Diese Unterrichtsform soll sowohl im KG,  in der 1. / 2. Primarschule wie auch in den anderen Schulstufen praktiziert werden.